Datum: 07. März 2007
Referent: S.E. Shimon Stein
Botschafter Israels in der Bundesrepublik Deutschland
Thema: Zur aktuellen Lage in Israel
Inhalt: Einen unvergesslichen Abend, zu dem das RÜTTENSCHEID Forum und die Deutsch-Israelische Gesellschaft gemeinsam geladen hatten, bescherte uns der Botschafter Israels in der Bundesrepublik Deutschland, S.E. Shimon Stein. Im prallgefüllten Rittersaal von Schloss Broich in Mülheim an der Ruhr referierte der Botschafter vor mehr als 120 Zuhörern über die aktuelle Lage Israels und seine Innen- wie Außenpolitik.

Insbesondere zeigte sich der Botschafter enttäuscht über die überwiegend verzerrte Darstellung der israelischen Wirklichkeit in deutschen Medien. Während der fast tägliche Raketenbeschuss durch die Terrororganisationen Hisbollah und Hamas bestenfalls in Randnotizen mediale Erwähnung fände, werde jede Form berechtigter Reaktion durch Israel als aktive Aggression gewertet. "So etwas macht mich traurig", so der Botschafter. Als wirksames Gegenmittel gegen diese breit angelegte Fehlunterrichtung der Öffentlichkeit durch Teile der deutschen Medien schlug der Botschafter ein verstärktes Eingehen von Städtepartnerschaften sowie eine Intensivierung des Jugendaustausches vor.

Auch die Notwendigkeit der Existenz von Sperranlagen werde von großen Teilen der deutschen Öffentlichkeit nicht richtig erfasst. "Israel muss sich an die Spielregeln, die in dieser Region gelten, anpassen", sagte Stein. Ein Vergleich mit der Berliner Mauer sei völlig unpassend. "Diese Sperranlagen zerschneiden kein Volk, sondern halten Feinde auseinander." Seit seiner Staatsgründung im Jahre 1948 hoffe Israel vergeblich darauf, mit seinen Nachbarn friedlich nebeneinander leben zu können. Nachdem der damalige israelische Ministerpräsident Ehud Barak im September 2000 sogar einen weit reichenden Rückzug Israels angeboten hatte, habe der palästinensische Terror durch Selbstmordattentate erst richtig angefangen. Dies habe in der israelischen Öffentlichkeit die Ansicht verfestigt, dass eine Trennung der beiden Völker unvermeidbar sei. Seit dem Bau des Trennzaunes sei der Terror durch Selbstmordattentate stark zurückgegangen. Der entsprechende Schutz könne dann wieder fallen, wenn der Anlass zu seiner Errichtung hinfällig werde. Mehrfach verwies Stein darauf, dass bei differenzierter Betrachtung Ursache und Folge jeweils getrennt voneinander in den Blick zu nehmen seien.

Im Hinblick auf eine mögliche militärische Auseinandersetzung mit dem Iran sagte Stein: "Alle Optionen müssen auf den Tisch." Denn Israel wolle nie wieder Opfer sein. Israel wolle zwar keinen Krieg, werde aber immer wieder zum Kriegführen genötigt, um nicht doch wieder Opfer zu werden.

Da gegenwärtig die Selbstverteidigung auf der Tagesordnung stehe und Vorrang vor anderem habe, blieb an diesem Abend offen, wie ein friedliches Miteinander mit dem palästinensischen Nachbarvolk in konkreten Schritten erreicht werden könne. Möglich werde dies, wenn sich beide Seiten an die bislang schon erarbeiteten Vereinbarungen hielten.

Alle Beiträge, die ein realitätsnahes Bild Israels vermittelten, seien hilfreich, um von der polemischen Sicht auf eine konstruktive Sachebene überzugehen. Derartige Bemühungen erhoffe er sich noch weit mehr.

Von unschätzbarer Bedeutung, so hatte sich Shimon Stein zu Beginn seiner Ausführungen dankbar geäußert, seien die durchgeführten internationalen Begegnungen eines völkerverbindenden Jugendaustausches, wie er zu seiner Freude gerade in Nordrhein-Westfalen wiederholt realisiert werde.
zurück zur Übersicht